PDF Drucken E-Mail

AEROPRAKTWERKE - GESCHICHTE

Neue Kategorie - Ultraleicht

Die meisten Sportpiloten auf der Welt sind sich einer "Renaissance" des Freizeitfliegens, die in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann, bewusst. In den USA und in anderen Ländern wurde diese Flugzeugkategorie "ultraleicht" benannt. Es ist jedoch kaum bekannt, dass zu diesem Zeitpunkt eine vergleichbare Belebung in der ehemaligen Sowjetunion aufgetreten ist.

 

Ein junger Konstrukteur - Yuriy Yakovlyev


Yuriy Yakovlyev1978 gewann der damals 17-jährige Yuriy Yakovlyev ein Stipendium für das Studium an der Raumfahrtuniversität in Kujbyschew (heute Samara). An der Universität existierte (und existiert immer noch) der Amateurluftfahrclub Aeropract. Während seiner Studienzeit wurde Yuriy ein Mitglied dieses Clubs und beteiligte sich aktiv am Bau eines Trainingssegelflugzeugs, das durch den Clubvorsitzenden entworfen worden ist. Später beteiligte er sich am Entwurf des A-5 Wasserflugzeugs, das seinen Jungfernflug 1980 absolvierte. Juris nächstes Projekt war ein Flugzeug, das bereits nach seinem eigenen Entwurf konstruiert worden ist. 1981 entstand dieses Tandemflugzeug, das die Bezeichnung A-8 erhielt. Diese beiden Flugzeuge wurden als sehr weit fortgeschrittene Amateurprojekte gewürdigt und gewannen mehrere Auszeichnungen und Preise für den Club.

Im Jahre 1985 wurde dem Studenten Yuriy eine Stelle im Planungsbüro der Antonowwerke in Kiew angeboten. Direkt nach seinem Studienabschluss 1986 nahm er diese Stelle an und arbeitete in den Antonowwerken bis 1995. Dort beteiligte sich Jurij am Entwurf des Transportflugzeugs AN-70 (und seiner Versionen), sowie am Entwurf eines leichten Passagierflugzeugs AN-38.


Kurz nach seiner Ankunft in Kiew eröffnete Yuriy einen neuen Club, der als eine Freizeitbeschäftigungsmöglichkeit für die Beschäftigten der Antonowwerkstätten gedacht war. Um die Tradition aus seiner Studienzeit aufrecht zu erhalten, nannte er diesen Klub Aeroprakt und änderte lediglich in der lateinischen Transkription den Buchstaben "c" in den Buchstaben "k" um.

Der Kiewer Club Aeroprakt begann seine Tätigkeit mit der Durchführung von aerodynamischen Untersuchungen des Flugzeugs A-8, das von Yuriy Yakovlyev noch während seiner Zeit in dem Klub Aeropract in Kujbyschew gebaut wurde. Die Untersuchungen wurden im Windkanal des Zentralen Aerohydrodynamischen Instituts in Moskau durchgeführt.

Der Erfolg des Trainingsfugzeugs - T8

T-8

Im Winter 1987 begannen die Clubmitglieder mit dem Entwurf und mit der Konstruktion des Zweipersonentrainingsflugzeugs T-8. Nach der Fertigstellung wurde dieses Flugzeug erfolgreich zur Flugausbildung der Clubmitglieder eingesetzt. 1989 wurde das Flugzeug während der Bundesschau der Ultraleichtflugzeuge in Riga (Letland) zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. Es erregte große Aufmerksamkeit unter den Teilnehmern, unter den Besuchern und unter den Testpiloten.

 

1991 wurde das T-8 Flugzeug einer grundlegenden Modernisierung unterzogen (Änderung der Flügel, des Motors, ein geschlossener Cockpit). Das Ziel dieser Modernisierung war die Verbesserung der Flug- und Nutzungsqualitäten, sowie der äußeren Aufmachung. Nach diesen Veränderungen wurde das Flugzeug während einer weiteren Flugschau in Tschernigov zum Favoriten aller Teilnehmer, und die Jurymitglieder verliehen ihm einstimmig und ohne Zögern den ersten Preis. Ein weiterer Beweis für den besonderen Erfolg dieses Flugzeugs kann auch die Tatsache sein, dass bereits wenig später Amateurflugzeuge auftauchten, welche die Lösungen kopierten, die beim T-8 angewendet wurden.

Die Anfänge des Unternehmens - das Flugzeug A-20

Oleg Litovchenko1990 wurde das Zweipersonenfugzeug A-20 entworfen. Noch im selben Jahr begann man mit seiner Herstellung. Die Idee beim A-20 war, dass es ein günstiges Flugzeug mit einem relativ schwachen Motor werden sollte, das während der ersten Ausbildungsstunden eingesetzt wurde. Im Gegensatz zum T-8, der ausschließlich als ein Clubflugzeug entworfen wurde, war einer der Hintergedanken beim A-20, dass dieses Flugzeug auch seriell hergestellt werden könnte. Zu diesem Zweck entstand auf der Grundlage des Flugzeugsklubs AEROPRAKT ein Unternehmen, das zur einer Kiewer Filiale von Lada - Mononor, einer russisch-finnischen Joint venture mit Hauptsitz in Togliatti, wurde. Die Stelle des Hauptkonstrukteurs erhielt Yuriy Yakovlyev und die Position des Direktors Oleg Litovchenko, der sich 1988 dem Klub anschloss.

Im August 1991 wurde der Bau des A-20 beendet. Gemeinsam mit dem T-8 nahm dieses Flugzeug an der Flugschau in Tschernigov teil. Damals blieb es jedoch im Schatten seines "älteren Bruders". Die Fachmänner bemerkten jedoch die einzigartigen Qualitäten des A-20: gute Flugeigenschaften trotz der schwachen Motorkraft (30 PS), die gewöhnlich nur zum Antrieb von Einpersonenflugzeugen ausreichte!

Das Jahr 1991 brachte den Durchbruch für die gesamte Sowjetunion und somit auch für das Unternehmen Aeroprakt. Nach der Flugschau in Tschernigov startete in Moskau ein Putschversuch. Obwohl der Versuch scheiterte, führte er jedoch zum Zerfall der Sowjetunion und zur Unabhängigkeitserklärungen der ehemaligen Sowjetrepubliken (darunter auch der Ukraine). Aeroprakt wurde durch eine Grenze von seiner Mutterfirma in Togliatti getrennt und somit von jeglicher finanzieller Unterstützung abgesondert. Unter diesen Umständen wurde das Unternehmen neustrukturiert. Aus der Filiale einer großen Firma ging nun eine eigenständige Gesellschaft mit beschränkter Haftung hervor.

Im Jahr 1992 bekam Yuriy Yakovlyev von dem Staatlichen Komitee für Erfindungen eine Auszeichnung für sein Beitrag in die schöpferische Verbreitung der Luftfahrt unter der Jugend.

Trotz einer schwierigen finanziellen Situation setzte Aeroprakt seine geplante Aufgabe fort, nämlich den Begin einer seriellen Produktion des A-20. Gleichzeitig erfolgte die Modernisierung des ersten Testflugzeugs. Man tauschte den unzuverlässigen und schwachen Motor RMZ-640 "Buran" gegen einen stärkeren und zuverlässigeren Motor (65 PS) Rotax 582 aus, und verbesserte die Flugzeugkonstruktion unter den aerodynamischen und stilistischen Gesichtspunkten. Im Juni 1991, dank der durchgeführten Modernisierung gewann das Flugzeug den ersten Preis beim Treff der Ultraleichtflugzeuge in Sankt Petersburg (Russland). Dort wurde, neben den wunderbaren Flugeigenschaften, auch die Möglichkeit des Schleppens von Einsitzsegelflugzeugen vorgeführt.

A-20 - sportliche Erfolge und serielle Produktion

A20Im September desselben Jahres nahm der A-20, gesteuert von Yuriy Yakovlyev und Igor Pugach teil an den IV Europameisterschaften in der Luftfahrzeugführung in Hodkovice in der Tschechei. Das Flugzeug erweckte großes Interesse aller Teilnehmer. Alle diejenigen, die die Möglichkeit hatten das Flugzeug während des Fluges zu testen, haben sich sehr positiv über den A-20 geäußert. Obwohl die Mannschaftsmitglieder "Anfänger" bei den Wettbewerben dieser Art waren, gelang es ihnen dennoch sich unter den zehn Besten zu platzieren. Dies konnte man am Besten während des Wettbewerbs für die größte Steiggeschwindigkeit, bei dem der A-20 den dritten Platz belegte, erkennen.

Im Juni 1994 belegte die Mannschaft Yuriy Yakovlyev und Igor Pugach, die bereits ein seriell hergestelltes Modell des A-20 flog, den zweiten Platz bei den Offenen Meisterschaften in Polen. Im September desselben Jahres erreichten sie den dritten Platz bei den 5. Weltmeisterschaften in der Luftfahrzeugführung, die ebenfalls in Polen stattfanden. Im September 1995 belegte dieselbe Mannschaft den zweiten Platz bei den 5. Europameisterschaften in der Luftfahrzeugführung in Little Rissington in Großbritannien. Einen sehr prägenden Eindruck hinterließen die Möglichkeiten des Flugzeugs. Z.B. während des Dauerflugwettbewerbs mit einer beschränkten Treibstoffmenge (9 Liter) blieb das Flugzeug 7 Stunden in der Luft, wovon es 5 Stunden lang mit ausgeschalteten Motor schwebte, indem es die aufsteigenden Luftströme benutzte.


Der Aeroprakt-20 setzt seine erfolgreichen Starts bei den Wettbewerben dieser Art weiterhin fort. Mittlerweile ist es nicht nur ein einziges Flugzeug. 1997 nahmen an den 1. Flugzeugweltmeisterschaften in der Türkei bereits 4 Flugzeuge des Typs A-20 teil (von 18 Flugzeugen in ihrer Klasse), wobei die Mannschaft Jakowlew-Pugacz die Silbermedaille gewann.

In Ungarn während den Open European Microlight Championships 2002 gewann die Mannschaft Yakovlyev-Pugach die Goldenmedaille.

Das erste seriell hergestellte Flugzeug des Typs A-20 unternahm seinen Jungfernflug im Juli 1993. Bis heute wurden 40 Flugzeuge dieses Typs hergestellt, wobei man ständig das Flugzeug weiterentwickelt. Diese Verbesserungen sind das Ergebnis der Nutzungserfahrungen der früheren Modelle, sowie eine Antwort auf die Kundenwünsche. Man führte u.a. ein neues Flügelprofil ein, Schlitzklappen auf der gesamten Flügelbreite oder die aufgewölbten Kabinenfenster, die zur Verbesserung der Aerodynamik und des Aussehens des Flugzeugs beitrugen.

Die A-20 Flugzeuge fliegen in den USA, in Russland, in der Tschechei, in Deutschland, in Jordanien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Singapur, in der Ukraine, in Ungarn und in Polen. Zu den Käufern gehörten Privatpersonen, Flugschulen, Aeroclubs, Firmen, sowie der jordanische König Hussein. Die Anwendungsmöglichkeiten dieser Flugzeuge sind vielfältig. Sie können zu Freizeitflügen, als Lernflugzeuge, als Wettbewerbflugzeuge oder als Flugzeuge zu Luftinspektionen der Gas- und Erdölleitungen eingesetzt werden. Dies ist jedoch eine verkürzte Liste der Verwendungsmöglichkeiten. Eine spezielle Ausstattung erlaubt dieses Flugzeug als Sprühflugzeug in der Agrartechnik zu gebrauchen (Version SH - 180 Liter Tankvolumen für chemische Mittel), als Feuerpräventionsflugzeug oder als ein Flugzeug zu radiometrischen Messungen der Erdoberfläche zu verwenden.

Parallel zu der seriellen Produktion des A-20 arbeitete Aeroprakt auch an neuen Flugzeugmodellen.

Die Erzeugung von der A-20 wurde im Jahr 2007 beendet. Seitdem konzentriert sich Aeroprakt an Erzeugung von dem grössten Verkaufsschlager A-22.

Weitere erfolgreiche Modelle: A-22, A-26

A22Im Oktober 1996 wurde die Arbeit am Prototyp des Flugzeugs Aeroprakt-22 beendet und man begann mit den ersten Testflügen. Die gesamte Flugwelt wurde sofort auf das Flugzeug aufmerksam. Es zeichnete sich durch einen hohen Grad an Bequemlichkeit, ein weites Sichtfeld (praktisch 360°), perfekte Flugqualitäten und letztlich auch durch ein reizvolles Äußeres aus. Schon bald nach der Einführung kamen die ersten Bestellungen und man begann mit der seriellen Produktion des Flugzeugs.

A-26 Zweisitzig Zweimotorig
A-22 ist ein neues, höheres Flugzeugstandart mit dem Aussehen eines "klassischen" Hochdeckers mit einfachen Streben. Das Ziel dieses Projekts bestand in der Entwicklung eines Flugzeugs, das ein Maximum am Komfort darbot, zwei nebeneinander aufgereihte Sitze hatte, ein graziöses Äußeres aufwies, ein bewegliches Vorderrad hatte und durch perfekte Flugqualitäten überzeugte.

Aeroprakt-22 ist die Verbindung der Fortsetzung des Aeroprakt-20 - Projekts (Flügel und Heck) mit einer vollständig metallischen (Duraluminium) Fahrwerkkonstruktion.

Bis heute sind über 300 Flugzeuge des Typs Aeroprakt-22 hergestellt worden. Sie wurden von den Kunden aus allen Kontinenten erworben.

Im November 1997 baute man, auf Wunsch eines Kunden, eine zweimotorige Version des A-20 - Flugzeugs, welche die Bezeichnung A-26 erhielt. Das A-26-Flugzeug ist mit zwei Rotax-582-Motoren ausgestattet (65 PS jeder) und stellt eine einzigartige Konstruktion in seiner Klasse dar. Dank der hohen aerodynamischen Qualitäten und der gemeinsamen Motorkraft, erweckte das Flugzeug großes Interessen unter den Piloten (vor allem in den USA). Das Aeroprakt-26 Flugzeug kann nicht nur mit einem Motor fliegen, sondern auch starten und landen!

Auch dieses Flugzeug wurde seriell hergestellt und hauptsächlich auf dem amerikanischen Markt angeboten. Bis heute sind 15 Exemplare dieses Modells entstanden. A-26 wurde letztens durch A-36 ersetzt.

A-28 Viersitzig Zweimotorig
A-24, A-28

In dem Aeroprakt - Entwicklungsbüro arbeitet man an neuen Flugzeugmodellen. Man entwickelte ein Vierpersonenflugzeugs A-28, das von zwei Rotax-912 - Motoren angetrieben wird (100 PS jeder), sowie eines leichten, Dreipersonenwasserflugzeugs des Typs A-24.A-24 Dreisitzig Wasserflugzeug

A-36 Doppelsitzig, ZweimotorigA-36

Das ist das neuste Flugzeugtyp von Aeroprakt Entwicklungsbüro. A-36 wurde, als Nachfolger von A-26, ausschließlich für den Amerykanischer Markt gebaut. Das A-36 Flugzeug ist mit zwei Rotax-912ULS Motoren ausgestattet.

 

Im Unternehmen Aeroprakt sind heute 40 Beschäftigte fest angestellt, davon 25 Arbeiter. Darüber hinaus arbeiten ca. 10 Personen an konkreten Projekten. Unter den Beschäftigten befinden sich die Absolventen von den renommiertesten russischen und ukrainischen Universitäten, die bereits sehr umfangreiche Erfahrungen in den bekanntesten Unternehmen gesammelt haben, wie z.B. ANTK Antonow, Kwazar, Totschelektropribor und anderen. Die meisten Beschäftigten sind junge Leute, für die die Luftfahrt nicht nur Arbeit ist, sondern auch einen Teil ihres Lebens darstellt. Sie sind ein Team von Freunden und das nicht nur während der Arbeit, sonder auch in der Freizeit.


Aeroprakt FlugplatzIn der Nähe von Kiev, im Dorf Nalivaykovka,  errichtete Aeroprakt ein Flugplatz mit Clubgebäuden. Dort werden die neuen Flugzeugmodelle getestet. Gleichzeitig ist er ein Erholungsort für die Firmenbeschäftigten und bietet ihnen die Möglichkeit zum Fliegen. Das ist auch ein Ort für Pilotenausbildung.

 
Valid XHTML and CSS.